Die Geschichte des Strandbad Wannsee
Mit dem 8. Mai 1907 war das Baden im Großen Wannsee ohne Einschränkungen freigegeben worden - Folge der in der Lebensreform begründeten Bewegung, in landschaftlich schöner Gegend und in deren offenen Gewässern zu baden.
Das Baden war kein in sich ruhender Selbstzweck, sondern es war Teil einer umfassenden Körperkultur. In den Anfängen der Bade- und Sportbewegung sollten Körper und Geist gleichermaßen gesund erhalten werden.
Am 26. August 1907 gründete man den "Berliner Freibäder-Verein", der zu "Pflege und Schutz des Freibadewesens" und für Ordnung zu sorgen sowie sechs große Umkleidezelte aufzustellen hatte. Da der Verein augenscheinlich Schwierigkeiten hatte, ausschließlich über die Tätigkeit seiner Mitglieder den Badebetrieb zu organisieren, verpachtete die Regierung in Potsdam noch im Sommer 1908 das Bad an ein Mitglied des Vereins.
Ende 1915 legte Martin Wagner ein Konzept zur baulichen Entwicklung des Strandbades Wannsee vor. Das Wagnersche Konzept scheiterte kriegsbedingt durch die Zeitumstände.
Eine neue Entwicklung trat erst 1924 ein. Als Teilbetrieb der städtischen Forstverwaltung übernahm die Stadt Berlin in diesem Jahr das Freibad und ließ es ab 1926 in der Form einer GmbH führen.
Es entstanden schilfgedeckte Holzhäuser in einer sich der Umgebung anpassenden, heimatgebundenen Architektur. Das Freibad sollte als Mittel der allgemeinen Gesundheitspflege der unzureichenden Versorgung der Bevölkerung während der Nachkriegszeit entgegenwirken. Die Einweihung der neuen Anlage fand am 14. September 1924 statt.
Am 3. März 1927 stellte die DNVP in der Magistratsversammlung den Antrag, die bislang fehlende Entwässerung in Angriff zu nehmen. Zeitgleich errichtete man auch ein neues massives Eingangsbauwerk. Inbegriffen war im Folgejahr auch der Bau von Toilettengebäuden - vier entlang des Hanges und eines Toilettengebäudes oben im Wald.
Diese Entwicklung kreuzte sich indessen mit einem Brandunglück: 1927 brannten mehrere Holzbauten trotz des Einsatzes der Berliner Feuerwehr ab.
Die Politik des 1926 gewählten sozialdemokratischen Stadtbaurates Martin Wagner, der die Entwicklung Berlins zu einer funktionsorientierten "Weltstadt" energisch vorantrieb, vermochte sich kaum mit einem einfachen Beheben des Brandschadens zu begnügen.
An die Stelle der sich in die landschaftliche Umgebung einpassenden Holz- und Reetdachbauweise sollte die absolute Modernität einer neuen Anlage treten. Die wirtschaftliche Blüte in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre gab die finanzielle Grundlage her.
Mitte des Jahres 1929 waren "vier Hallen, das Strandrestaurant und ein Abortgebäude ... augenblicklich im Bau begriffen" berichtete Martin Wagner in Heft 6 der Zeitschrift DAS NEUE BERLIN.
Dem Baubeginn vorausgegangen war im Jahr 1928 ein Generalplan, der eine weit größere Anlage vorsah, als sie 1929 bereits am Beginn der Weltwirtschaftskrise ausgeführt wurde.
Trotzdem war innerhalb von vier Jahren zwischen 1924 und 1928 ein Dimensionssprung eingetreten - der Generalplan von 1928 hatte ein ehrgeiziges "Weltstadtprojekt" vorgeführt.
