05. Februar 2012
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Die Geschichte

Um 1900 entstanden in Berlin zahlreiche öffentliche Bäder. Diese Entwicklung ging auf die Forderung des 1873 gegründeten Berliner „Verein für Volksbäder“ nach Verbesserung der Hygiene der ärmeren Bevölkerung zurück: „Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad“, wobei man unter „Bad“ in erster Linie ein Brausebad verstand. Nur die Wohnungen der Oberschicht waren seinerzeit mit Bädern ausgestatten. Deshalb galt es, die gewaltigen und katastrophalen hygienischen Probleme ebenso wie die Seuchen in der rasant wachsenden Gründerzeitstadt und in deren dichtbesiedelten Arbeiter- und deren Armutsviertel in den Griff zu bekommen. Erste positive Ergebnisse mit vereinseigenen Bädern überzeugten den Magistrat, woraufhin in Berlin zahlreiche öffentliche Badeanstalten geplant wurden.

Das 1899-1902 erbaute Frühwerk Ludwig Hoffmanns (1852-1932), das Stadtbad Oderberger Straße in der Oderberger Straße 57-59, ist nicht nur ein Zeugnis dieser Bäderkultur. Es zählt auch zu seinen ersten kommunalen Bauaufgaben, besitzt somit einen hohen bau- und kulturgeschichtlichen Stellenwert. Der Architekt gestaltete von 1896 bis 1924 in seiner Funktion als Stadtbaurat das Berliner Stadtbild mit über 300 Einzelbauten entscheidend. Er entwarf Schulen, Bäder, Krankenhäuser, das Berliner Stadthaus, den Märchenbrunnen im Friedrichshain. Seine Berufung dokumentiert einen gewollten ästhetischen Bruch mit dem Vorgänger Hermann Blankenstein (1829-1910) und dessen charakteristischer Backsteinarchitektur. Seinem unverkennbaren Stil - häufig geprägt durch die Verwendung von Form- und Glasursteinen, gelben und roten Ziegelbändern zur horizontalen Gliederung der Fassade sowie den Einsatz von Segmentbogenfenstern - folgte nun eine neue Auffassung.

Hoffmanns Bäder stehen für einen neuen großzügigen und funktionalen Bädertypus. Vorgängerbauten, wie z.B. das Moabiter Stadtbad, wurden als Ziegelbauten im Rundbogenstil umgesetzt. Hoffmann hingegen legt den Schwerpunkt auf die künstlerische Gesamtwirkung des monumentalen Baukörpers, indem er glatte, undekorierte Putzflächen mit sparsam verwendeten Schmuckelementen aus Naturstein kontrastieren ließ, wie das reich verzierte Skulpturenportal. Die Straßenfassade des Stadtbades Oderberger Straße greift auf die Formen der deutschen Renaissance zurück, erinnert in der Anlage der Giebel und Dachgauben an das Leipziger Alte Rathaus. Diesen Entwurf variierte Hoffmann mit stilfremden Elementen, z.B. dem Zwischengeschoss mit den kleinen Fenstern.

Im Inneren ist das ursprünglich 23,20 m lange Schwimmbecken von Gewölben umrahmt. Der vorrangigen Funktion des Bades, der Körperreinigung, dienten die in den seitlichen und oberen Bereichen untergebrachten Dusch- und Wannenbäder. Die Bevölkerung des umgebenden Arbeiter- und Handwerkerviertels nahm das Bad so gut an, dass es bereits 1936 im Inneren aus- und umgebaut wurde.



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