Das Schoeler-Schlösschen
Geschichte
Das im Jahr 1765 errichtete Haus des Berliner Fabrikanten Cornelius Adrian Hesse zählt zu den wenigen in Berlin noch erhaltenen, bürgerlichen Landhäusern des 18. Jahrhunderts. Das barocke Kleinod dokumentiert das Leben vor den Toren Berlins ebenso wie die großbürgerliche Lebenskultur im Wilmersdorf des 18. und 19. Jahrhunderts. Seit 1958 steht das Schoeler-Schlösschen unter Denkmalschutz. Nur ein weiteres Beispiel dieser Epoche ist erhalten, die 1770 errichtete Villa Hildebrand in Berlin-Pankow. ... weiterlesen
Engagement und Konzept
Im Jahr 2003 zwang ein Brand im ersten Obergeschoss die im Hause ansässige Kita zum Auszug. Der Bezirk suchte zur Vorbereitung der Sanierung des Hauses ein neues Nutzungskonzept - und Partner. Wegen knapper Haushaltsmittel sah sich der Bezirk nicht in der Lage, aus eigener Kraft die Ziele einer denkmalgerechten Sanierung und einer anschließenden kulturellen Nutzung zu realisieren. Umso mehr wurde das Sanierungsangebot der Stiftung Denkmalschutz Berlin im Bezirk begrüßt.
Am 13. Januar 2006 schloss Charlottenburg-Wilmersdorf als Eigentümer mit der Stiftung Denkmalschutz Berlin einen Vertrag über einen 20-jährigen Nießbrauch am Schoeler-Schlösschen. Die Stiftung geht darin die Verpflichtung ein, das Haus mit eigenen Mitteln zu restaurieren und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie erhält im Gegenzug das Recht der Nutznießung für kulturelle Zwecke. Das Schoeler-Schlösschen soll – in Anlehnung an seine Geschichte – wieder ein Ort der Begegnung und der Pflege bürgerlicher Kultur werden.
Ein besonders prominentes Element der kulturellen Nutzung wäre die Einrichtung der privaten Bibliothek des verstorbenen Alt-Bundespräsidenten Johannes Rau im Obergeschoss des Schoeler-Schlösschens. Rau war vor seiner politischen Karriere Verleger und Buchhändler. Er hinterließ eine Privatbibliothek von annähernd 20.000 Büchern. Die vielfältig bürgerschaftlich und ehrenamtlich engagierte Witwe des Bundespräsidenten, Frau Christina Rau, hat die Bibliothek mit der Unterstützung der Zeit-Stiftung katalogisieren lassen und ca. 8.000 Bände für das Schoeler-Schlösschen ausgewählt. Die Sammlung soll weitgehend öffentlich zugänglich sein.
Weitere Bestandteile der künftigen Nutzung sind die Ausstellungs- und Versammlungsräume im zu rekonstruierenden Dachgeschoss, die für das Bezirksamt und für andere Institutionen zur Verfügung stehen werden, und das geplante Café im Erdgeschoss.
Der Verein "Westwind - Wir Nordrhein-Westfalen in Berlin e. V." möchte seinen Vereinssitz im Schoeler-Schlösschen nehmen und unterstützt die Stiftung Denkmalschutz Berlin engagiert bei der Verwirklichung der Restaurierung des Schoeler-Schlösschens mit der Johannes-Rau-Bibliothek in der Wilhelmsaue. Er ist ein Zusammenschluss in der Bundeshauptstadt tätiger oder eingebürgerter „Exil“-Nordrhein-Westfalen in Berlin, die für ihr Bundesland kulturell wirken und werben. ... www.westwind-ev.de
Eine Dauerausstellung zur bürgerlichen Tafelkultur des 18. Jahrhunderts und regelmäßige museumspädagogische Aktivitäten des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf sind weitere Facetten des insgesamt herausragenden und sympathischen Gesamtkonzepts.
Seit 2007 lädt das Baustellencafé Gäste und interessierte Besucher ein und dient als Ort der Muße sowie der Information und Diskussion über das Projekt.
Stand der Restaurierungsarbeiten
Da es im Laufe der fast zweihundertfünfzigjährigen Geschichte des Hauses etliche Veränderungen und Eingriffe in das Haus gab, stand am Anfang aller Maßnahmen eine gründliche Bauforschung. Die Stiftung präsentierte die Ergebnisse der Bauforschung in einer Reihe von Werkstattgesprächen der interessierten Öffentlichkeit. Einen besonderen Beitrag zur Aufarbeitung und Untersuchung des Bestandes leisteten dabei die Auszubildenden der Spandauer Knobelsdorff-Berufsfachschule im Ausbildungsgang "Denkmaltechnischer Assistent", die regelmäßig ihre Fertigkeiten am Objekt trainieren konnten und so dem planenden Architekten eine wertvolle Zuarbeit leisteten. Die Restaurierungsarbeiten werden sich über einen Zeitraum von ca. 3 Jahren (bis 2011) erstrecken, da diese sowohl in Abhängigkeit von der Fördermittelbewilligung als auch von den Spendeneinnahmen der Stiftung stehen.
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