Baufehler und Restaurierungsziele
Die Pergola am Alten Palais, Unter den Linden, übergab Dr. Christian Melcher am 2. Oktober 2007 an den Präsidenten der Humboldt-Universität Berlin, Prof. Dr. Christoph Markschies. Die Stiftung Denkmalschutz Berlin finanizierte den Anbau an der Ostseite des Gebäudes mit 540.000 Euro aus Stiftungsgeldern und Bauplanenwerbung. Die auf den vier auf den Sandsteinpfeilern der Pergola montierten Terrakotta-Köpfe sind in der Ofenfabrik Velten gebrannt worden.
"Historisch getreuer Wiederaufbau der Linden-Fassade des ehemaligen Palais Kaiser Wilhelm I., Ausbau zu Lehrzwecken für die Humboldt-Universität" wurde 1961 vorgegeben. Die neue Raumaufteilung der Kriegsruine folgte entlang der Straßenfassade den Längs- und Querwänden des erhalten gebliebenen Bestandes.
Südlich der tragenden Flurwand wurde die rückwärtige Gebäudehälfte der Kriegsruine komplett abgetragen und durch einen zweckrational gestalteten Bürotrakt ersetzt. Zusätzlich wurde die Höhenlage der Geschoßdecken verändert.
Die Untersuchung der maroden, seit 1963 nicht mehr instandgesetzten Fassade stufte den Putz als nicht haltbar ein. Das Mauerwerk selber weist massive Risse auf, die auf Kriegseinwirkungen zurückgeführt werden müssen. Der Wiederaufbau hatte in zeitüblicher Baukonstruktion die Traufe mit einem Stahlbeton-Ringbalken gesichert. Der ohne Dehnungsfugen ausgeführte Ringbalken verursachte erhebliche Zwängungen im Fassadenmauerwerk und damit Risse.
Die 1963/64 eingebauten Stahlbetondeckenplatten hatte man mit dem Mauerwerk verklammert. Die aus dem Schwinden des aushärtenden Betons resultierende Verkürzung der Deckenplatten übertrug mit der Folge von Rissen Kräfte auf das Mauerwerk. Der Einbau starrer Stahlbetondeckenplatten führte zu Zwängungen des Mauerwerks.
Bereits die maßliche Auswertung historischer Aufnahmen ergab, dass bei der Wiederherstellung des Putzes 1962/63 Teile des Fassadenreliefs maßlich ungenau ausgeführt wurden. Was sich zunächst nur anhand von Fotos nachvollziehen ließ, wurde inzwischen durch Befunde belegt. Im Frühjahr 2003 wurde mit der Fassadensanierung begonnen. Die Ziele sind:
- Behebung der bautechnischen Schäden,
- Wiedergewinnung des historischen Erscheinungsbildes in Fassadenaufbau und Farbigkeit, sowie
- Restaurierung der bildhauerisch hochbedeutsamen Terrakottafiguren
Die Restaurierung der Fassade wird in der 2. Jahreshälfte 2005 abgeschlossen sein. Die Wiederherstellung des farbigen Erscheinungsbildes hat sich dabei als besonders wirkungsvoll erwiesen. Historische Photographien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts hatten den Nachweis erbracht, dass die Fassaden des Palais ursprünglichen keinen einfarbigen Anstrich besessen hatten, sondern dass die einzelnen Quadern jeweils eine voneinander differierende Farbigkeit aufgewiesen hatten.
Diese Art farbiger Fassungen wurden zeitgleich durch Bauten der Schinkel-Zeit gestützt - das Palais des Prinzen Carl am Wilhelmplatz war gleichermaßen behandelt worden. Diese Wirkung einer differenzierenden Quaderfassade konnte jetzt am Palais Wilhelms I. zurückgewonnen werden.
Als letzter Bauteil in der Wiederherstellung des äußeren Erscheinungsbildes wird die Stiftung Denkmalschutz Berlin die 1962 abgebrochene Pergola wiederherstellen und begrünen. Diese Maßnahme wird sich bis Ende 2006 erstrecken.
Die Wiederherstellung ist deshalb unverzichtbar, weil die Pergola zur baukünstlerischen Gesamtkomposition des Palais gehört und als eine Art lyrisches Intermezzo das Gegenstück zur streng aufgefassten Portikusarchitektur der Vorfahrt Unter den Linden bildet.
