10. März 2010
Stiftung
Denkmalschutz Berlin

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Die Geschichte des Charlottenburger Tores

1899 war eine kleine Schrift des Charlottenburger Architekten Ludwig Hercher erschienen. Hercher befürwortete darin die schnurgerade Verlängerung der Charlottenburger Chaussee [heute: Straße des 17. Juni] in Richtung Westen: vom "Knie" an [heute: Ernst-Reuter-Platz], durch den Grunewald, bis zum Stößensee. Entstehen sollte seiner Meinung nach eine "der schönsten Straßen der Welt", die das Stadtzentrum der Reichshauptstadt - das Schloss des Kaisers, die Museen, die Oper und die Universität - mit der freien Natur verbinden würde.


Charlottenburg war zu diesem Zeitpunkt noch eine selbständige Stadt und zählte zu den reichsten Großstädten im Königreich Preußen. Mit dem Bau des stolzen und repräsentativen Entrees am Beginn ihres Stadtgebietes gegenüber der Reichshauptstadt Berlin demonstrierte sie ihr Selbstbewusstsein und ihren Reichtum.
Natürlich erkannte der deutsche Kaiser die Möglichkeit, seinen Namen mit der Errichtung "einer der schönsten Straßen der Welt" zu verbinden, folglich behielt er sich die Genehmigung zum Bau des Tor vor. Im Dezember 1905 genehmigte Kaiser Wilhelm II. schließlich den Entwurf zum Bau des Charlottenburger Tores und damit auch die zusammen mit dem Tor geplante Brücke über den Landwehrkanal. Dieser Zustimmung des deutschen Kaisers waren seit 1899-1900 andauernde, ergebnislos verlaufende Wettbewerbe und nicht anerkannte Entwurfsleistungen sogar bedeutender Architekten vorangegangen.

Die Geschmacksvorstellungen Wilhelms II. waren somit für die Gestaltung verbindlich, nicht die Bauwünsche des Charlottenburger Magistrats. Der Kaiser wünschte ein Bauwerk, das sich in die Tradition von Arkaden aus der großen Zeit Friedrichs II. einfügte. Der schließlich ausgewählte Charlottenburger Architekt, Professor Bernhard Schaede, orientierte sich deshalb höchstwahrscheinlich an den heute im Kleistpark stehenden "Königskolonnaden". 1910 an den heutigen Standort umgesetzt, waren diese in den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts ursprünglich am Alexanderplatz als Eingangsbauwerk in die Königsstraße [heute: Rathausstraße] errichtet worden.

Der Bau des Charlottenburger Tores wurde 1907/1908 aus Ettringer Tuffstein ausgeführt. Die Anlage besteht aus zwei Torflügeln. Auf der Charlottenburger Seite ergänzten bis zum Zweiten Weltkrieg zwei über 20 m hohe Lichtkandelaber die Anlage, die mit Hilfe elektrischer Bogenlampen die Fahrbahnen und Gehwege auf der Brücke beleuchteten. Sie markierten die Charlottenburger Uferlinie, während entlang der Berliner Uferlinie des Landwehrkanals die beiden Torpfeiler errichtet worden waren.

Das Bildprogram der beiden inneren Torpfeiler und dessen neobarocke Umsetzung waren sicherlich nicht allein ein Tribut an die Vorstellungen des deutschen Kaisers. Die Pfeiler tragen auf der Berliner Seite mächtige Bronzeskulpturen des Bildhauers Heinrich Baucke mit den Standbildern der Stadtgründer: König Friedrich I. an der Süd- und Königin Sophie Charlotte an der Nordseite. Königin Sophie Charlotte hält ein Modell des Charlottenburger Schlosses in der Hand.