Instandsetzungen und Farbigkeit
Der marmorweiße Anstrich hatte allem Anschein nach kaum der starken Bewitterung des Tores, das frei auf der Stadtgrenze angeordnet war, stand gehalten. 1804 wurde der Anstrich von 1791 deshalb im Ton von "cafée au lait" erneuert, d. h. natursteinfarbig gestrichen.
Nach dem Ende der Freiheitskriege ein neuer, dritter Anstrich, der wiederum bildlich überliefert ist. Das Brandenburger Tor zeigte sich jetzt in einer zweifarbigen Fassung.
Mehr als dreißig Jahre später begutachtete die Oberbaudeputaion 1839 eine weitere Instandsetzung des Brandenburger Tores, die 1840 eingeleitet wurde. Diese farbige Fassung ist in dem Gemälde von Eduard Gärtner "Ansicht vom Pariser Platz hieselbst" aus dem Jahr 1846 überliefert. Wieder ist das Tor zweifarbig angestrichen.
Die nächste Instandsetzung schloss sich 1851 an. Dieser Zustand ist in der ältesten bekannten Photographie des Brandenburger Tores überliefert. Im jetzt schon üblichen Turnus musste das Tor 1867-1868 erneut instandgesetzt werden. Schließlich folgte 1888 eine weiterere Farbgebung, denn die Trauerdekoration für den Leichenzug Kaiser Wilhelms I. und der zunehmende Verkehr hatten das Tor beschädigt.
Eine letzte Dekoration erhielt das Tor 1897 aus Anlass des hundertsten Geburtstags Kaiser Wilhelms I. Der Magistrat der Stadt hatte alle erhabenen Teile der Architektur bronzieren lassen. Zuletzt befahl Wilhelm II. mit Kabinettsorder, das Relief unterhalb der Quadriga zu vergolden.
Das Protokoll einer Besichtigung mit dem preußischen Staatskonservator am 30. Dezember 1913 enthielt dann bereits die Feststellung: "Von den Stellen, welche nicht ausgewechselt werden, ist der nachträglich aufgebrachte hässliche Ölanstrich auf größere Strecken abzulaugen. Dann erst lässt sich beurteilen, ob ein lasierender Neuanstrich notwendig ist oder ob, wie es mit Rücksicht auf die Würde des Bauwerks gewünscht werden muss, ein Anstrich entbehrt werden kann."
Deutlich wurde mit dieser Aussage, dass dem Naturstein - wie in der Folgezeit dann auch geschehen - der Vorzug gegeben werden sollte. Die Philosophie der "Materialgerechtigkeit" hatte die Oberhand gewonnen.