Kandelaber am Charlottenburger Tor
Die Geschichte
Die Stiftung rekonstruiert die Kandelaber seit Mai 2007 mit dem Ziel, dem Tor und seiner Umgebung bis 2010 die ehemalige Schönheit und Verweilqualität wiederzugeben. Der Entwurf für die Kandelaber stammte ebenso wie beim Tor von Prof. Bernhard Schaede. Tor und Lichtsäulen wurden zeitgleich geplant und erbaut. Ein großes Architekturmodell präsentierte man 1910 auf der Brüsseler Weltausstellung, das noch heute im Berliner Technikmuseum fasziniert.
Die beiden Kandelaber waren in doppelter Hinsicht eine Besonderheit: zum einen aus Stein gebaut, im Gegensatz zu den häufig geläufigen Gusseisenleuchten (wie z. B. am heutigen Theodor-Heuss-Platz oder am Ernst-Reuter-Platz), zum anderen beleuchteten die Kandelaber die Brücke von Anfang an mit modernsten elektrischen und außergewöhnlich hellen Bogenlampen.
Charlottenburg, einst reichste Stadt Preußens an der Stadtgrenze zu Berlin, betonte dabei den repräsentativen Aspekt, stellte sein wirtschaftliches Vermögen mit diesen Bauten zur Schau. Die elektrisch betriebenen Bogenlampen waren in der Unterhaltung äußerst aufwendig. Zeitgenössische Zeitungen berichteten über die weithin strahlende Beleuchtung, über den hellsten Punkt in der Gegend um Charlottenburg und Berlin, später Groß-Berlin – in einer Zeit, in der elektrische Beleuchtung noch als Luxus galt, symbolhaft für Modernität, Glanz und Prestige stehend. Elektrische Beleuchtung war insbesondere Repräsentations-bauten der Regierung, Kaufhäusern sowie der Oberschicht vorbehalten, war Berlin doch erst ab den 1880er Jahren großflächig elektrifiziert worden. Erst in den 1920er Jahren verbreitete sich die elektrische Beleuchtung in den Privathaushalten der mittleren Schichten. Als entsprechend spektakulär muss die gleißend helle Illumination seinerzeit erlebt worden sein.
Das Figuren-Programm zur Ausbildung der Kandelaber nahm sowohl auf das Thema „Licht“ als auch auf den Landwehrkanal Bezug und setzte zu dem des Tores einen Kontrapunkt. In der Stilistik und im Erfindungsreichtum mischte sich eine neobarocke Grundhaltung mit Elementen des Jugendstils. An der bronzenen Galerieumwehrung trugen Unheil abwendende Masken die elektrischen Bogenlampen an Hörnern, neben diesen wanden sich delphinartige, geschuppte Wasserwesen. Schiffbugs, römische Galeeren mit Seepferdchen als Galionsfiguren schmückten die Kandelaber, zudem von Wappenkartuschen bekrönte Eisentüren am Postament und Löwenköpfe, deren strahlenartige Mähne ein ikonografischer Verweis zum Licht war.
In den Straßenkämpfen 1945 wurden die Kandelaber bis auf Stümpfe zerstört und später abgetragen. Seitdem sind sie aus dem Stadtbild und dem Bewusstsein Berlins weitgehend verschwunden.
